Die Einführung von SAP S/4HANA bringt gewaltige Änderungen für die Materialbedarfsplanung in SAP-Systemen mit sich: Mit der Planung auf Werksebene sowie die damit verbundene Detaillierung in Dispositionsbereiche ist Schluss! Disponenten profitieren von wesentlich effizienteren Prozessen. Wie die Planung in SAP S/4HANA erfolgt und was es dabei zu beachten gilt? Im Folgenden möchte ich Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Neuerungen geben.

 

Bisher findet die Bedarfsplanung im SAP ERP auf Ebene eines Werkes statt. Sind darunter mehrere organisatorische Einheiten zusammengefasst, können diese im SAP MRP (Material Requirement Planning) auch als getrennte Dispositionsbereiche geplant werden. Im S/4HANA (ab Version 1511) ist die Trennung in Lagerorte unter Ausschluss einzelner Bereiche nicht mehr möglich.

Grundsätzlich wird damit die MRP-Logik vereinfacht, da es nur eine Lösung für die Planung auf Lagerortebene gibt. Die Dispobereichslogik ist zudem weiter fortgeschritten als die Logik für die Planung auf Lagerortebene. Auf Dispobereichsebene sind alle Dispomerkmale und Losgrößenverfahren möglich.

Planungsvormerkungen werden auf Werks- und Dispobereichsebene erzeugt. Das System legt keine Planungsvormerkungen auf Lagerortebene an. Im SAP ERP MRP mussten mit jeder Änderung des Bestands oder eines erwarteten Zugangs alle separat geplanten Lagerorte sowie die Werksebene erneut geplant werden. Die Planung auf Dispobereichsebene ist daher wesentlich effizienter.

Bedarfsplanung auf Basis von Dispobereichen – Was ändert sich mit SAP S/4HANA?Dispobereiche im Überblick

Im S/4HANA ist ein Dispositionsbereich eine selbständig disponierende Organisationseinheit, für die eine eigenständige Bedarfsplanung durchgeführt wird.

Folgende Bereiche werden unterschieden:

  • Der Werksdispobereich umfasst das ganze Werk mit allen Lagerorten und Lohnbearbeitungbeständen.
  • Der Dispobereiche für Lagerorte ermöglicht es, einzelne Lagerorte in der Bedarfsplanung getrennt vom Werk disponieren zu können. Zudem können mehrere Lagerorte zu einem Dispobereich zusammengefasst werden.
  • Der Dispobereich für Lohnbearbeiter kann für jeden Lohnbearbeiter separat zu definiert werden. Ein Dispobereich Lohnbearbeiter kann jedoch auch nur genau einen Lohnbearbeiter beinhalten.

Dispobereiche werden im Customizing der Bedarfsplanung definiert.  Hier erfolgt auch die Zuordnung von einem oder mehreren Lagerorten / Lohnbearbeitern. Im Materialstamm wird die Zuordnung von Materialien zu verschiedenen Dispobereichen durchgeführt. Dazu wird für ein Material für jeden Dispobereich, in dem es verwendet wird, das sogenannte Dispobereichssegment, angelegt. Dispositionsparameter, wie z.B. Dispomerkmal, Losgröße etc., werden in dem Dispobereichssegment festgelegt. Nur dadurch wird die Bedarfsplanung mit Dispobereichen für Materialien ermöglicht. Materialien ohne eine Dispobereichszuordnung werden in Werksdispobereichen geplant.

Planung mit Dispobereichen im Planungslauf – das gilt es zu beachten:

Beim Gesamtplanungslauf wird immer das gesamte Werk geplant, d.h. die Gesamtheit aller Dispobereiche im Werk, sofern kein gesonderter Planungsumfang angegeben wird. Wenn Sie einen Gesamtplanungslauf nur für einen bestimmten Dispobereich durchführen wollen, müssen Sie den gewünschten Dispobereich im Planungsumfang spezifizieren.

Bei der mehrstufigen Einzelplanung wird das gewählte Material im angegebenen Dispobereich geplant. Allerdings werden Planungsvormerkungen aus anderen Dispobereichen berücksichtigt, z.B. wenn das Material durch Umlagerung beschafft werden soll.

Bei der einstufigen Einzelplanung wird das gewählte Material nur im angegebenen Dispobereich geplant.

So legen Sie Dispobereiche an:

Um die Bedarfsplanung auf Basis von Dispobereichen durchzuführen, muss die Planungsvormerkung auf Dispobereichsebene umgestellt werden. Im nächsten Schritt gilt es, den Dispobereich im Customizing der Bedarfsplanung zu aktivieren. Danach sollten Sie die Dispobereiche definieren und die Lagerorte zuordnen. Im Materialstammdatensatz müssen Sie den Reiter „Disposicht 1“ erweitern.

Dispobereiche S/4HANA – Tipps für die Transition:

Da die Bedarfsplanungslogik im SAP ERP anders als im S/4HANA auf Lagerortebene basiert, muss im Materialstamm ein Dispobereich zugeordnet werden. Hier ist es sinnvoll, eine Pre-Migrationsprüfung durchzuführen. Dazu können Sie das Vorprüfprogramm der SAP vor der Migration auf dem Quellsystem ausführen. Als Ergebnis wird ein Report mit fehlenden Dispobereichseinträgen in Ihren Materialstammdaten erzeugt. Die fehlenden Einträge müssen dann manuell angelegt werden.

Fazit

Fest steht: Mit der Einbindung der Logistikprozesse in SAP S/4HANA beschleunigen Sie Ihre Prozesse. Neben den beschriebenen Vorteilen der Dispobereichslogik können planungsrelevante Daten dank der In-Memory-Technologie sehr viel schneller verarbeitet werden. Performance-Probleme bei der Materialbedarfsplanung gehören damit der Vergangenheit an. Natürlich bringt die S/4HANA-Transition für Disponenten noch einen weiteren großen Vorteil mit sich: Die SAP Fiori-Integration führt zu einer deutlich anwenderfreundlicheren Bedienung.

Voraussetzung für eine erfolgreiche Transition ist die konsistente Definition und Zuordnung der Dispobereiche. Sie haben Fragen oder benötigen Unterstützung? Als SAP S/4HANA Experten stehen wir Ihnen dafür jederzeit gern zur Verfügung.

Mohamed Salah | SAP Logistik Consultant Mohamed Salah ist als SAP Logistik Consultant im SAP Logistik Team der Axians Lynx tätig. In den vergangenen Jahren arbeitete er in zahlreichen SAP-Implementierungsprojekten in der Automotive-Branche. Zu seinem Aufgabenbereich zählen die Beratung, Konzeption und Implementierung passender Lösungen. Seine Schwerpunkte liegen im Warehouse Management- und Production Planning and Control-Umfeld.