Am 19. Januar sollte der Mobilfunkstandard 5G an US-Flughäfen scharf geschaltet werden. Eigentlich, denn durch einen zuvor veröffentlichten Brandbrief großer US-Airlines hat sich der Start nun kurzfristig verschoben. Was steckt hinter den befürchteten Störungen? Und sind deutsche Flughäfen davon betroffen?

„5G dürfe in einem Umkreis von gut 2 Meilen um Flughäfen nicht eingesetzt werden, wenn massive Störungen des Passagier- und Frachtverkehrs vermieden werden sollen“, heißt es in dem am 17. Januar veröffentlichten Brandbrief des Branchenverbands Airlines for America (A4A) an die US-Luftfahrtbehörde FAA, die US-Regulierungsbehörde FCC sowie US-Verkehrsminister Pete Buttigieg.

Interferenzen mit Höhenmessern befürchtet

Hintergrund der Aktion sind mögliche Interferenzen zwischen den für die automatischen Landesysteme wichtigen Radarhöhenmessern der Flugzeuge und noch nicht zertifizierten 5G-Sendeanlagen.

Letztere nutzen in den USA den 5G-Frequenzbereich im C-Band, der über 3.700 MHz liegt. Aus Sicht der Experten rückt dieser gefährlich nahe an den Bereich zwischen 4.200 und 4.400 MHz heran, den die Höhenmesser nutzen. Von der Warnung sind vor allem die Netzbetreiber AT&T und Verizon betroffen, während T-Mobile 5G in den USA auf anderen Frequenzen realisiert.

5G-Ausbau an US-Airports erneut verschoben

Die US-Luftfahrtbranche weist schon lange auf die mögliche Gefahr durch 5G hin. Und die jetzt von den Fluggesellschaften American Airlines, Delta Air Lines, United Airlines und Southwest Airlines beschriebenen Folgen reichen bis zu einer „katastrophalen Krise“ der Luftfahrtbranche. Klar: Neben dem eigentlichen Sicherheitsrisiko würden nicht nur viele Menschen, sondern auch Frachtgüter stranden und ein Riesenchaos verursachen.

Und so zeigt der Brandbrief Wirkung: Die für den 5G-Ausbau verantwortlichen Unternehmen AT&T und Verizon haben die Inbetriebnahme neuer 5G-Dienste in der Nähe von wichtigen US-Flughäfen erneut verschoben. Die betroffenen 5G-Sendemasten müssen erst vollständig zertifiziert und Flugzeuge entsprechend umgerüstet sein, damit 5G keine Gefahr mehr darstellt.

Sind jetzt auch deutsche Flughäfen betroffen?

Keine Sorge: Auch wenn 5G-Funkmasten in der Nähe deutscher Flughäfen stehen, sind Störungen solcher Art sehr unwahrscheinlich.

  • Für die 5G-Flächenversorgung wird aktuell der Frequenzbereich im C-Band oder auch Band 78 von 3.400 MHz bis 3.700 MHz genutzt
  • Darüber hinaus ist der Bereich von 3.700 bis 3.800 MHz ausschließlich für 5G-Campusnetze reserviert
  • So beträgt der Frequenzabstand zwischen 5G und der Betriebsfrequenz der Höhenmesser in Flugzeugen mehrere Hundert-MHz, weshalb man eine eventuelle Beeinträchtigung ausschließen kann

Bundesnetzagentur stellt Störungsfreiheit sicher

Dazu kümmert sich die Bundesnetzagentur (BNetzA) um die technische Regulierung der Telekommunikation, wozu es gehört, eine effiziente und störungsfreie 5G-Frequenznutzung sicherzustellen. Ein entscheidender Aspekt ist die Frequenzordnung, durch welche die an die Mobilfunknetzbetreiber Telekom, Vodafone, Telefonica und 1&1 versteigerten Frequenzbänder den verschiedenen Funksystemen zugewiesen sind.

Und da die BNetzA bei der Frequenzplanung und Zuordnung von Funksystemen in Deutschland sämtliche physikalischen Grundsätze und mögliche Interferenzen berücksichtigt, sind deutsche Flughäfen sozusagen „behördlich abgesichert“. Dazu kommt, dass bereits etliche 5G-Mobilfunkstationen in der Nähe von Großstadt-Flughäfen in Betrieb sind und bisher keinerlei Beeinträchtigungen mit technischen Flugzeug-Systemen aufgetreten sind.

Safety First: Weitere Untersuchungen laufen

Dennoch nehmen die zuständigen europäischen Gremien unter Beteiligung der Bundesnetzagentur, der Flugsicherheitsbehörden sowie Vertretern der Mobilfunk- und Luftfahrtindustrie weitere Untersuchungen vor, um Beeinflussungen auch ganz sicher ausschließen zu können.

Das ist gut so, denn als Lösungsanbieter rund um den Mobilfunkstandard 5G streben auch wir danach, Störungen jeglicher Art zu eliminieren – ganz gleich, ob es sich dabei um 5G-Campusnetze oder Public Networks in der Nähe von Flughäfen wie auch anderen Infrastrukturen handelt.

Sie haben weitere Fragen zum Thema 5G? Dann zögern Sie nicht, mich jederzeit zu kontaktieren!

Thorsten Grunwald | Leitung Division Mobile Networks Thorsten Grunwald leitet bei Axians GA Netztechnik die Division Mobile Networks und die Business Unit Sonderprojekte. Nach seiner Ausbildung zum Fernmeldehandwerker und der anschließenden Weiterbildung zum Nachrichtentechniker arbeitete Grunwald in der Gesellschaft zunächst als Projektleiter. Im Jahr 2003 wechselte er ins Management.