SD-WAN: Hype oder nächste Netzwerk-Evolution?

Software Defined-WAN ist in aller Munde. Und während Hersteller den nächsten Entwicklungssprung pushen, sind viele Unternehmen noch skeptisch und warten lieber ab. Erfahren Sie, wie SD-WAN funktioniert, welche Vorteile die gehypte Technologie bietet und ob sie wirklich so zuverlässig, flexibel und kosteneffizient ist.

In einer Cloud-orientierten IT-Welt stoßen herkömmliche WANs (Wide Area Networks) zunehmend an ihre Grenzen: Hohe Paketverlustraten, inakzeptable Latenzzeiten sowie unzureichende Bandbreiten machen die Vorteile moderner Cloud Services oft wieder zunichte. Und da der Datenverkehr in Zeiten steigender Digitalisierung förmlich explodiert und Daten auch das Gold des 21. Jahrhunderts sind, sollten sich Unternehmen ohnehin zukunftsfähiger denn je aufstellen.

Was also können IT-Verantwortliche für eine optimale Netzwerk-Performance tun? Um verteilte Standorte untereinander und an Public Clouds wie Microsoft Azure oder Amazon Web Services anzubinden? Um Software as a Service wie Office 365, Google Docs oder Salesforce effizient zu nutzen? Und um möglichst schnell zu reagieren, wenn temporäre Offices, Baustellen, Online-Shops oder auch Events leistungsfähige Netzwerkverbindungen erfordern?

Neue Effizienz für Cloud- und SaaS-Anwendungen

Eine mögliche Antwort liefert SD-WAN: Der Software-definierte Ansatz für die Verwaltung von Wide Area Networks ist ideal, um die genannten Anforderungen heute und auch morgen noch zu erfüllen.

Dazu baut ein SD-WAN-Device zunächst ein Enterprise-WAN über eine Breitbandverbindung wie z. B. VPN (Virtual Private Network) auf. Die eigentliche Evolution besteht darin, dass ein Overlay Network – eine virtuelle Abstrahierungsschicht – auf die bestehende WAN-Infrastruktur gelegt wird. Mit dem Vorteil, dass sich damit für jede Applikation eine spezifische Netzwerkstruktur definieren und automatisiert ausrollen lässt – eine für jeden Standort, eine für zeitkritische Anwendungen, eine für VoIP-Applikationen oder auch für viele andere Zwecke. Dabei erkennt der zentrale SD-WAN-Controller, welcher Traffic zu welcher Klasse gehört und ordnet ihn automatisch dem jeweiligen Overlay Network zu.

Flexibilität rauf, Kosten runter

Auf die gleiche Weise geht es in die Wolke: Für den entsprechenden Anbieter – sei es Microsoft Azure oder Amazon Web Services – wird ein SD-WAN-Router installiert, der die Cloud wie einen normalen Standort mit dem Firmennetz koppelt. So bietet das Software-Defined-Konzept nicht nur mehr Flexibilität, sondern durch den intelligenten Controller auch ein automatisiertes und damit vereinfachtes Management des WAN-Netzwerks. Plus einen entscheidenden Kostenvorteil: Da die Datenübertragung losgelöst vom physikalischen Netzwerk und somit Provider-unabhängig ist, entfällt auch die Anmietung dedizierter und teurer MPLS-Leitungen (Multiprotocol Label Switching).

Vorteile von Software Defined-WAN auf einen Blick

Vorteile von Software Defined-WAN auf einen BlickVereinfachtes Management des WAN-Netzwerks: SD-WAN bietet eine zentralisierte und Cloud-basierte WAN-Architektur, die die Skalierung auf zahlreiche Endgeräte an verschiedensten Standorten vereinfacht. Über ein Web-Interface lassen sich sämtliche Konfigurationen von überall aus einstellen und per Zero-Touch automatisieren.

Anbindung neuer Standorte und Clouds in kürzester Zeit: Da die Konfiguration vom zentralen Controller aus automatisiert auf die installierten SD-WAN-Geräte verteilt wird, lassen sich neue Standorte und Public Clouds innerhalb kürzester Zeit anbinden.

Priorisierung bzw. bevorzugte Wegewahl businesskritischer Anwendungen: Anhand vorprogrammierter Parameter lassen sich Anwendungen im Datenverkehr priorisieren und je nach Bedarf über den schnellsten, günstigsten oder auch stabilsten Traffic-Pfad leiten.

Wege-Redundanz und bessere Ausnutzung der Bandbreiten: Falls die zur Verfügung stehende Bandbreite einer Anwendung knapp werden sollte, kann ein automatisiertes Load Balancing dafür sorgen, dass Daten ressourcenschonend über mehrere Verbindungstypen verteilt werden.

Detailliertes Monitoring von Traffic: Durch detaillierte Berichte zur Anwendungs- und WAN-Leistung lassen sich Geschäftsanalysen erstellen und Prozesse durch individuelle Schlüsselkennzahlen für die Zukunft optimieren.

Senkung der Betriebskosten: Die bei herkömmlichen WANs häufig genutzten und kostenintensiven MPLS-Leitungen können bei einem SD-WAN durch günstigere Breitbandverbindungen, 3G/4G oder LTE ersetzt werden.

Was bedeutet SD-WAN für die Business-Praxis?

In der Praxis bedeutet die bevorzugte Wegewahl des Datenverkehrs auch, dass sich Hybrid Cloud-Architekturen mit all ihren Flexibilitäts- und Kostenvorteilen effizient realisieren lassen. Denn während weniger sensible Datenpakete je nach Bedarf über öffentliche und günstige Public Clouds laufen, lässt sich geschäftskritischer Traffic mit hoher Priorität über Private Clouds oder on-premises verarbeiten.

Unternehmen können die insgesamt verfügbare Bandbreite also effizienter nutzen und bei kritischen Anwendungen von hoher Performance profitieren – ohne dabei Sicherheit, Datenschutz oder die eigenen Compliance-Richtlinien zu gefährden.

Was ist bei der Auswahl eines SD-WAN zu beachten?

Wie so oft im komplexen IT-Dschungel, liegen die Antworten in den eigenen Anforderungen begraben. So ist es auch bei der Implementierung eines SD-WAN nicht ratsam, auf vorgefertigte Standardlösungen zurückzugreifen, die individuelle Bedürfnisse außer Acht lassen. Hier kommen ITK-Anbieter ins Spiel, die bei einer persönlichen Beratung mit erfahrenen Experten genau analysieren, welche Lösung in welchem Fall am optimalsten ist.

Wie soll das SD-WAN skaliert sein? Sind zusätzliche Funktionen wie bspw. eine Firewall oder WAN-Optimierung gewünscht? Soll der zentrale Controller on-premises, in der Cloud oder vom Hersteller bereitgestellt werden? Welche SaaS-Anwendungen kommen in Frage? Und welche Public Clouds sollen überhaupt angebunden sein? Erst, wenn alle Fragen beantwortet und sämtliche Kundenanforderungen klar sind, ist es möglich, eine geeignete Empfehlung auszusprechen.

Vom Proof of Concept zum kompletten Rollout

Die Vorteile eines SD-WAN liegen auf der Hand. Und wer sich dafür entscheidet, muss nicht gleich die ganze Kuh kaufen, wenn er nur ein Glas Milch will. Typischerweise startet man mit einem Proof of Concept, das die Machbarkeit eines SD-WAN über zwei bis drei Standorte auslotet. Jetzt kann das Unternehmen erste Erfahrungen sammeln, das Handling testen und sein Software-basiertes Netzwerk peu à peu auf weitere Standorte ausweiten. Dabei ist es ohne großes Risiko möglich, alte und neue Netzwerke miteinander zu koppeln.

SD-WAN-Orchester spielt Netzwerk-Musik der Zukunft

Mein Fazit: SD-WAN ist durchaus ein Entwicklungssprung, der die Netzwerk-Konnektivität in einer von Clouds dominierten IT-Welt evolutionieren kann. Auch andere Experten sagen der Technologie ein großes Wachstum voraus. Noch handelt es sich aber um eine Nischenlösung, die Datenströme durch automatisierte Orchestrierung wahlweise über die schnellste, günstigste oder stabilste Netzwerkverbindung fließen lässt. Und gerade das wird in Zeiten von Big Data, Digitalisierung und Co. immer wichtiger.

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