Digitalisierung als Chance für freie Fahrt im öffentlichen Nahverkehr

Bei der Personenbeförderung geht es heute nicht mehr nur darum, von A nach B zu gelangen. Man will sein Ziel bequem sowie planungssicher erreichen und dabei rechtzeitig auf eventuelle Störungen hingewiesen werden. Denn wer möchte schon auf den Bus warten und dann feststellen, dass dieser entweder gar nicht kommt oder völlig überfüllt ist? Die Sicherstellung von gleichmäßiger Auslastung, Pünktlichkeit und effizienter Ressourcenplanung – bei stark schwankender Nachfrage – stellt jedoch für viele Verkehrsanbieter eine große Herausforderung dar.

Berliner Verkehrsbetriebe meets Big Data

Über eine Milliarde Fahrgäste jährlich, 3.000 Fahrzeuge, 7.500 Haltestellen und fast 190 Linien – das beschreibt mit wenigen Worten die Berliner Verkehrsbetriebe. Über 14.000 Konzern-Mitarbeiter sorgen dafür, dass Bevölkerung sowie Gäste der Hauptstadt sicher durch den Großstadtdschungel befördert werden. Berlin ist flächenmäßig in etwa so groß wie Frankfurt am Main, Dresden und München zusammen. Die vorhandenen Daten sind folglich sehr vielfältig und reichen von (Infra-)Strukturdaten, über Angebots- und Betriebsdaten bis hin zu Wetter- und Veranstaltungsdaten.

Digitalisierung im öffentlichen Personennahverkehr
Digitalisierung im öffentlichen Personennahverkehr

Digitalisierungschancen identifizieren

Eine Erhebung und Verarbeitung aller relevanten Datenpunkte gilt als elementarer Schlüssel zum Erfolg. Mittels einer Datenanalyse werden Zusammenhänge aufgedeckt und dabei gleichzeitig eine notwendige Transparenz geschaffen, um beispielsweise neue Services anbieten zu können. Die intelligente Integration von externen Informationen (aktuelle Wetterverhältnisse, lokale Angebote, Veranstaltungstipps, Informationen zu Sehenswürdigkeiten) ermöglicht es, zusätzliche Kundenbedürfnisse zu befriedigen und dabei gleichzeitig die eigene Wertschöpfungskette zu erweitern.

Agile first

So weit so gut! Stellt sich jedoch die Frage, wie ein solches Ziel konkretisiert und erreicht werden kann. Digitalisierungsprojekte sind hinreichend komplex, weil Vieles auf dem Weg für alle Beteiligten noch unbekannt ist. Folglich gibt es gute Gründe, auch neue Wege bezüglich des Projektmanagements einzuschlagen. Das klassische Projektmanagement lebt davon, dass es klar formulierte Ziele gibt und das Projekt im Vorhinein auf abgrenzbare Phasen heruntergebrochen und durchgeplant werden kann. Digitalisierungsprojekte lassen sich häufig nicht in ein starres Wasserfallprojektmanagement gießen und erfordern stattdessen eine agile Herangehensweise. Die Vorteile liegen hierbei in der hohen Dynamik und Anpassungsfähigkeit sowie der engen und iterativen Zusammenarbeit im Team. Auf diese Weise können neue Erkenntnisse und Anforderungen sukzessive aufgenommen und der Weg zur Digitalisierung erfolgreich gestaltet werden.

How to get started

Am Anfang eines solchen Projektes steht in der Regel ein Digital Setup Workshop. In diesem wird die Ausgangssituation gesichtet und gemeinsam ein Anwendungsfall für einen Prototyp identifiziert. Dafür werden alle Repräsentanten der Zielgruppe sowie deren Potenziale (User Stories) beschrieben. Unterstützt wird dies bei Bedarf durch die Bewertung eines Katalogs an innovativen Konzepten hinsichtlich der Adaption auf das eigene Unternehmen. Im Fokus steht immer der konkrete Nutzen. Im Anschluss werden die zusammengetragenen Anwendungsfälle priorisiert und ein Prototyp identifiziert. Der Schwerpunkt des Digital Setup Workshops kann individuell an die aktuellen Bedürfnisse angepasst werden.

Das konkrete Digitalisierungsprojekt der Berliner Verkehrsbetriebe startete mit einem Data Science Workshop, da ein datengetriebener Ansatz ausgewählt wurde. Dem Workshop folgt die Phase der Prototypisierung. Innerhalb von 30 Tagen wird der ausgewählte Prototyp mit agiler Methodik umgesetzt, wobei Anpassbarkeit und Skalierbarkeit stets im Fokus stehen. Gerade für datenzentrierte Projekte bietet sich eine agile Vorgehensweise an, da die Ergebnisse schnell sichtbar werden sollen. Nur so können rechtzeitig Korrekturen vorgenommen werden. Dies stellt außerdem sicher, dass der Prototyp nicht in der Galerie endet, sondern im echten Leben. Zuletzt ermöglicht diese Herangehensweise eine Integration in ein Produktivsystem binnen weniger Tage.

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