Überholen verboten! – Transportrisiken mit SAP Change Request Management minimieren

Möglicherweise ist Ihnen die folgende oder eine ähnliche Situation bereits widerfahren:
Sie befinden sich gerade mitten im Integrationstest für Ihr anstehendes SAP ERP Release. Plötzlich brennt es auf Ihrem Produktivsystem – es können keine Kundenaufträge mehr angelegt werden. Nun heißt es Schadensbegrenzung. Mit einem schnellen Bugfix scheint die Situation gerettet zu sein.

Also weiter im Programm. Den Integrationstest können Sie erfolgreich abschließen. Sie können dem immer näher rückenden GoLive entspannt entgegensehen. Doch nach dem Import Ihrer Release-Transporte in Ihr Produktivsystem müssen Sie feststellen, dass nun Ihre Bugfixes, die Sie während des Integrationstests mal schnell durch Ihre ERP Landschaft transportieren mussten, durch die veralteten Release Transporte überschrieben wurden. Der typische Überholer also.

Wie bekommen Sie dieses Problem zukünftig in den Griff?

Das Change Request Management im SAP Solution Manager kennen Sie ja bereits als mächtiges, ITIL-konformes Werkzeug zur Steuerung und Überwachung Ihrer Transporte. Doch ChaRM kann noch mehr: Automatische Transportprüfungen wie z.B. die systemübergreifenden Objektsperre (CSOL = Cross System Object Lock) und der Überholerschutz (Downgrade Protection) helfen, derartige Situationen zu vermeiden.

Sobald ein SAP Objekt (Workbench oder Customizing) in einen Transportauftrag aufgenommen wird, ist dieses so lang zentral im SAP Solution Manager gesperrt, bis es erfolgreich in das Produktivsystem eingespielt wurde. Abbildung 1 zeigt die zentrale Sperrtabelle im ChaRM Administrations-Cockpit.

Abbildung 1: CSOL Sperren im Administrations-Cockpit
Abbildung 1: CSOL Sperren im Administrations-Cockpit

Der Überholerschutz (Downgrade Protection) baut auf der systemübergreifenden Objektsperre (CSOL) auf und warnt den Entwickler oder SAP Administrator während des ChaRM-Prozesses vor Konflikten und drohenden Überholern. Eine erste Warnung (entsprechend Abbildung 2) erhält der Entwickler, sobald er eine Änderung an einem SAP Objekt speichern möchte, welches bereits von einem anderen Entwickler bearbeitet und noch nicht in das Produktivsystem importiert wurde.

Abbildung 2: CSOL Prüfung warnt den Entwickler vor Konflikten
Abbildung 2: CSOL Prüfung warnt den Entwickler vor Konflikten

Auch wenn diese erste Warnung ignoriert wurde, kann der SAP Solution Manager beispielsweise einen Import in Ihr Produktionssystem verhindern, falls dadurch eine Downgrade-Situation entstehen würde (Abbildung 3).

Abbildung 3: Downgrade-Warnung vor Import nach PRD
Abbildung 3: Downgrade-Warnung vor Import nach PRD

Falls durch einen dringenden Fehler auf dem Produktionssystem ein potentieller Überholer nicht vermeidbar ist, kann diese Objektsperre gelöst werden. Aber auch für diesen Fall bietet Ihnen ChaRM eine Best Practice Lösung:

Mit einem Projektimport am GoLive-Tag werden die dringenden Änderungen (Bugfixes) zusammen mit den Release-Transporten erneut in der richtigen Reihenfolge (der Exportzeitpunkt bestimmt die Reihenfolge) in das Produktivsystem importiert. Ein Überholer kann in dieser Situation also nicht eintreten.

Der Downgrade-Schutz umfasst dabei nur einen Teil der transportbezogenen Prüfungen (Abbildung 4), die Ihnen das Change Request Management zur Verfügung stellt.

Abbildung 4: Transportbezogene Prüfungen
Abbildung 4: Transportbezogene Prüfungen

Mit folgenden weiteren Transportprüfungen können Sie Risiken für ihr Produktivsystem minimieren:

Auch wenn beispielsweise die Prüfung Ihres Programms auf dem Entwicklungssystem fehlerfrei verläuft, muss das nicht bedeuten, dass dies auf dem Produktivsystem genauso aussieht. Denn häufig referenzieren Objekte eines Transportauftrags auf Objekte anderer Transportaufträge, welche noch nicht transportiert wurden. Diese fehlenden Objekte auf dem Produktivsystem würde man erst durch einen RC = 12 Transportfehler erkennen. Mit Hilfe der Querverweis-Prüfung können Sie dies vor einem Import prüfen. Die Prüfung zeigt Ihnen an, ob referenzierte Objekte im Zielsystem vorhanden sind und prüft auch auf Versionsgleichheit zwischen Quell- und Zielsystem. Bei einem negativen Prüfungsergebnis kann hierdurch ein Import verhindert werden.

Ebenso können Sie im ChaRM Administrations-Cockpit die Prüfung auf kritische Objekte aktivieren. Hiermit können Sie unkontrollierte Änderungen an Objekten vermeiden, welche Sie zuvor auf einer Blacklist definiert haben.

Der Code Inspector und die ABAP Test Cockpit Prüfung überprüfen den Programmcode der Objekte in Ihren Workbench Transportaufträgen.

Darüber hinaus haben Sie die Möglichkeit auch eigene transportbezogene Prüfungen zu implementieren. Mit Hilfe der BAdI-Definition /TMWFLOW/TRANS_DEFINED_CHECK können Sie direkt vor einem Transportvorgang (z.B. Transportfreigabe oder Import) Ihre eigene Prüfungslogik einbinden. Bei einem negativen Prüfungsergebnis können Sie somit einen Transportvorgang verhindern.

Auch wenn Sie mit Hilfe der transportbezogenen Prüfungen Transportrisiken minimieren und Überholer erfolgreich vermeiden, bleiben Sie mit ChaRM auf der Überholspur.

Wenn Sie mehr über das Change Request Management mit dem SAP Solution Manager 7.2 erfahren wollen, empfehlen wir Ihnen unsere Web-Cast Aufzeichnung zum Thema „Change Request Management mit dem SAP Solution Manager 7.2“. Oder werfen Sie doch einen Blick auf unsere weiteren Blogbeiträge zum Thema SAP Solution Manager.

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