Gitterkryptographie und Quantum-Computing – Highlights der IBM Think 2018 in Frankfurt!

Am 9. Oktober lud IBM unter dem Motto „Mensch und Technik gestalten Zukunft“ zur Think-Konferenz ein. Das Motto griffen die IBM-Manager und der Keynote-Sprecher, Richard David Precht, in ihren Beiträgen auf und beleuchteten u.a. die ethischen Implikationen von AI. Hier erhalten Sie einen Überblick der Kernthemen AI, Cloud & Data sowie Infrastruktur & Security. Mit dabei war auch Axians mit einem Use Case für die Echtzeit-Qualitätskontrolle in der Produktion.

IBM DACH-Chef Matthias Hartmann begrüßte die Teilnehmer der IBM Think und betonte in seiner Eröffnungsrede ausdrücklich, wie wichtig es sei, Vertrauen und Akzeptanz für neue Technologien zu schaffen. Gerade in Deutschland laufen wir Gefahr, durch Technologie-Skepsis ins Hintertreffen zu geraten: Laut einer aktuellen Studie stehen 80 bis 90 Prozent der Menschen in Indien und China der Digitalisierung positiv gegenüber – in Deutschland sind es weniger als 50 Prozent. Hartmann warb für mehr Offenheit und führte zugleich die vertrauensbildenden Maßnahmen aus dem Hause IBM auf, wie etwa die Data-Responsibility-Richtlinien, die der Hersteller 2017 veröffentlichte.

Die Digitalisierung einmal philosophisch betrachtet

Auch Richard David Precht beleuchtete die Themen Digitalisierung und Kulturwandel – und skizzierte die neue Arbeitswelt aus Sicht eines Philosophen. Laut Precht erleben wir gerade den größten gesellschaftlichen Umbruch seit über 200 Jahren, vergleichbar mit der ersten industriellen Revolution. Damals haben wir die Hand des Menschen ersetzt, heute ersetzen wir das Gehirn. Das bedeutet: Die DNA unserer Gesellschaft wird sich genauso fundamental verändern wie damals. Precht sieht die Entwicklung jedoch positiv: „Wir müssen uns auf eine Zeit einrichten, in der mehr Arbeit entsteht – aber nicht für Menschen.“ Künstliche Intelligenz (KI) schaffe in erster Linie langweilige Jobs ab und stattdessen Raum für mehr Kreativität und Freizeit. Die Herausforderung: Menschen zu überzeugen, dass KI assistiert und nicht substituiert – schon allein, weil KI nur das Denkschema „Problem – Lösung“ beherrscht, das in vielen Situationen insuffizient ist. Der Mensch hingegen besitzt die Fähigkeit, moralisch zu denken, und hat als Alleinstellungsmerkmal die Kompetenz, komplexe Probleme zu lösen.

IBM-Partner zeigen ihre Leuchtturmprojekte

Gemäß der von DACH-Chef ausgegebener Maxime „Co-Creation und Co-Innovation“ hat IBM zahlreiche Kunden- und Partnerunternehmen eingeladen, die ihre Leuchtturmprojekte präsentierten, die sie mit den Produkten und Beratern des Herstellers umgesetzt haben. Daimler beispielsweise war mit seiner App „Ask Mercedes“ vor Ort, Airbus zeigte Cimon, den Roboter, der Alexander Gerst auf der ISS unterstützt. Auch Axians war mit einem Showcase vertreten und stellte einen Algorithmus vor, der mithilfe von Watson, der IBM-Plattform für künstliche Intelligenz, entwickelt und trainiert wurde. Er kommt in der Kunststoffindustrie zum Einsatz und analysiert die Wechselwirkung von Sensordaten bei Extrusionsanlagen in Echtzeit. Mit ihm können Unternehmen den Produktionsprozess live optimieren und Ausschuss minimieren. Extrusionsanlagen sind überall dort zu finden, wo Kunststoff hergestellt wird – allen voran in Unternehmen der Chemie- und Pharmaindustrie, bis hin zur Luft- und Raumfahrt oder der Automobilbranche. Im Ergebnis realisiert Axians gemeinsam mit seiner Schwestergesellschaft Actemium und IBM digitale Regelwerke und Plattformen, die direkt in den Produktionsprozess einfließen. Dazu werden Lösungen von IBM genutzt wie Watson Studio, IBM Data Science Experience und Watson IoT, mit einer IBM Power AI als Grundlage. Diese Systeme sind speziell für die Verarbeitung datenintensiver Workloads konzipiert und bieten beispiellose Leistung für AI- und Analytics Anwendungen – eine unschlagbare Kombination.

„5 in 5“ – Fünf Trends für die Zukunft

Dirk Wittkopp, Vice President Germany Lab, IBM Deutschland Research & Development GmbH, gewährte nach den Breakout-Sessions einen Ausblick auf die fünf wichtigsten Trends, die unser Leben in den nächsten fünf Jahren verändern werden:

  1. Crypto-Anchors: Für alle Arten von hochwertigen Produkten – von Medikamenten bis hin zu Autoteilen – gibt es große Mengen an Fälschungen. Das Betrugspotenzial ist riesig, die Einbußen für Unternehmen ebenso. Vor allem lange und komplexe Lieferketten sind anfällig für Etikettenschwindel. Sogenannte Microdots aus Tinte auf Medikamentenpackungen oder winzig kleine Chips dienen als Crypto-Anchor – eine Art digitaler Fingerabdruck, der in Verbindung mit der Blockchain unsere Lieferketten unterstützen und sichern wird. Laut Wittkopp lassen sich die Betrugsfälle dank dieser Technologie künftig halbieren. 
  1. Gitterkryptographie: Quantencomputer werden in wenigen Jahren in der Lage sein, selbst verschlüsselte Daten zu knacken. Damit wächst der Bedarf an neuen sicheren Verschlüsselungsmethoden, die mit Technologien wie Quantencomputern Schritt halten können. Hier kommt die Gitterkryptographie ins Spiel, ein Post-Quantum-Verschlüsselungsverfahren, das IBM bereits beim National Institute of Standards and Technology eingereicht hat. Wittkopps Prognose: „In den nächsten fünf Jahren werden wir neue Verschlüsselungsmethoden erforschen, standardisieren und anwenden.“ 
  1. Gute Wasserqualität dank AI: Wasser ist eine der wichtigsten Ressourcen der Erde – mangelnde Qualität und Wasserknappheit sind bedrohliche, aber reale Szenarien. Intelligente Mikroroboter werden künftig aufwendige Untersuchungen vereinfachen, um den Gesundheitszustand von Wasser zuverlässig vorherzusagen. Sie können nicht nur Bildmaterial liefern, sondern auch Bewegungen tracken und frühe Indikatoren, die auf schlechte Wasserqualität hinweisen, erkennen – wie etwa unkontrollierten Algenwuchs. IBM sagt voraus: „Innerhalb der nächsten fünf Jahre werden wir AI-Roboter in Gewässer aussenden.“ 
  1. Unvoreingenommene AI: Der Siegeszug von Artificial Intelligence ist unbestritten. Das große Alleinstellungsmerkmal von AI ist es, rein faktenbasierte Entscheidungen zu treffen. Unvoreingenommenheit ist jedoch nur garantiert, wenn man diese Systeme mit Daten entwickelt und trainiert, die fair, interpretierbar und unverzerrt sind. IBM fasst zusammen: „Wir werden neue Lösungen entwickeln, um die Verzerrung zu reduzieren, die in einem Trainingsdatensatz vorhanden sein kann. Systeme, die voreingenommene Entscheidungen treffen, werden vom Markt verschwinden.“ 
  1. Quantum-Computing wird Mainstream: Mit Quanten-Computing steht uns genügend Rechenleistung zur Verfügung, um Probleme zu bewältigen, die einst als unlösbar galten – etwa das klassische mathematische Problem des Handlungsreisenden. Bei diesem versucht man, eine Route so zu wählen, dass keine Station außer der ersten zweimal besucht wird. Die Auswirkungen sind real spürbar: So wird die Pharma- und Chemiebranche beispielsweise zuverlässig berechnen, wie Stoffe sich verhalten. Wir machen aktuell den Schritt von der Theorie in die Praxis. Dafür werden wir neue Architekturen brauchen, denn unsere aktuellen Systeme sind zu einfach gestrickt und werden sich vergrößern und komplexer werden. Das sagt Wittkopp für die nächsten fünf Jahre voraus: „Wir werden noch keine kommerziellen Quantencomputer haben, aber das Thema wird Alltag an Universitäten werden und eine große Rolle bei der Ausbildung von künftigen Experten spielen. Wir sind überzeugt, dass die Technologie skaliert.

Jetzt oder nie

In einem waren sich alle Sprecher der IBM Think einig: Wir befinden uns gesellschaftlich, technologisch und wirtschaftlich gesehen an einem entscheidenden Punkt, an dem es für Unternehmen lebenswichtig ist, sich dem Fortschritt anzuschließen. In seinen abschließenden Worten appelliert IBM-CDO Dirk Heitmann an alle Anwesenden: „Dafür muss man auch einmal loslegen, ohne Angst vor den eigenen Fehlern.“ Die Devise heißt: Nicht warten, sondern starten!

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