„Manchmal fühle ich mich durch digitale Technologien überfordert“

Deutschland hinkt bei der Digitalisierung hinterher. Zwar haben die Unternehmen das Tempo erhöht, aber die Stimmung hat sich verschlechtert. Herausgefunden hat das der Branchenverband Bitkom in seiner aktuellen Studie „Digitalisierung der Wirtschaft“. Werfen wir einen Blick auf und hinter die Zahlen.

Können Sie sich vorstellen, dass sich 27 Prozent der Manager – Geschäftsführer und Vorstände – in deutschen Unternehmen sich „Manchmal … durch digitale Technologien überfordert“ fühlen? Und die Zahlen verschärfen sich je nach Branche: Ist es im Dienstleistungssektor „nur“ jeder Fünfte, ist es in der Industrie schon jeder Vierte und im Handel sogar jeder Dritte.

Bereits hier sind wir an einem interessanten Punkt angekommen: Gerade im Handel sorgt die Digitalisierung dank starker Online-Mitbewerber seit vielen Jahren für massive Veränderungen und Verschiebungen im Geschäft.

2017 hat Amazon für Deutschland einen Umsatz von beinahe 17 Milliarden Dollar ausgewiesen (eine Steigerung von knapp drei Milliarden gegenüber 2016). Kleinere Onlinehändler wachsen in ihren Segmenten ähnlich stark. Der klassische Handel benötigt dringend Antworten. Dass die Digitalisierung große Chancen bietet, liegt auf der Hand.

Der Handel tut sich mit der Digitalisierung schwer

Fühlt sich allerdings jeder dritte Geschäftsführer oder Vorstand „manchmal … durch digitale Technologien überfordert“, fällt Optimismus schwer. Tatsächlich – und auch das hat der Bitkom herausgefunden – sehnt sich jeder sechste (15 Prozent) Handelsmanager in die vordigitalen Zeiten zurück.

„Viel Erfolg dabei, Ihre Unternehmen für das digitale Zeitalter zukunftssicher zu machen“, möchte man den Managern zurufen, wäre die Situation nicht am Ende existenzbedrohlich für Unternehmen, die nicht rechtzeitig Antworten finden.

Tatsächlich haben die Verantwortlichen Chancen wie Bedrohung erkannt: Beinahe jedes fünfte Handelsunternehmen (18 Prozent) erklärt, dass die Digitalisierung die Existenz des Unternehmens gefährdet und fast 40 Prozent konstatieren, dass ihr Unternehmen Probleme hat, die Digitalisierung zu bewältigen. Immerhin 85 Prozent sehen die Chancen, die sich durch die Digitalisierung bieten.

In der Verantwortung steht die IT

„Ja ja, Nieten in Nadelstreifen“, denken jetzt vielleicht viele ITler und fühlen sich in alten Vorurteilen bestätigt.

Allerdings wird diese Einstellung den Realitäten in den Unternehmen keineswegs gerecht. Gerade die IT kann (und muss) zu einer erfolgreichen Digitalstrategie wichtige Impulse geben, wenn sie sich als sich als Berater der Fachabteilungen versteht. Und nur in diesem Fall wird sie ihre strategische Bedeutung für das Unternehmen wahren können.

Denn schließlich ist die Digitalisierung die Fortsetzung dessen, was mit der Einführung der PCs auf den Schreibtischen und der Erfindung des Netzwerks zur Zusammenarbeit im Unternehmen begonnen hat: Es geht um IT, um Automatisierung und um vernetztes Arbeiten. Das Wertschöpfungsversprechen, mit dem die IT in den Unternehmen in den achtziger Jahren angetreten ist, hat sie noch nicht im Ansatz eingelöst. Das Potenzial ist gigantisch.

Nicht nur im Handel verschafft die richtige Digitalisierungsstrategie den Unternehmen, die sich damit auseinander setzen, Wettbewerbsvorteile. Von den Umbrüchen, die die Digitalisierung ausgelöst hat, sind viele Branchen betroffen (zum Beispiel und sehr nachhaltig seit vielen Jahren die Verlagsbranche, aus der ich stamme). Für viele etablierte Unternehmen werden die Entwicklungen existenzbedrohlich sein.

Die gesamte Digitalisierung steht noch am Anfang. Wer jetzt einsteigt, kann sie mitgestalten.

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