Deutschlands Denkfehler bei der Digitalisierung

Im Innovationsbericht für den Mittelstand 2016 bescheinigte KfW Research dem deutschen Mittelstand Innovationsmüdigkeit. Der Anteil der Innovatoren im Mittelstand ist auf den niedrigsten Wert seit dem Start des Panels gesunken. Schwächelt das Rückgrat der deutschen Wirtschaft?

Die Investitionen in Innovation bewegen sich mit 37 Milliarden Euro zwar auf stabilem Niveau, verteilen sich aber auf weniger Unternehmen. So ging die Innovatorenquote um knapp 7 Prozentpunkte auf 22 Prozent zurück. Deutschland scheint innovationsmüde geworden zu sein. Als Gründe listen die Analysten von KfW Research unter anderem starken Preiswettbewerb, schwache Absatzerwartungen, politische und wirtschaftliche Unwägbarkeiten sowie fehlende Kompetenzen und Fachkräfte. Als größtes Hemmnis stellt die Studie jedoch Schwierigkeiten bei der Innovationsfinanzierung heraus. Der starke Wirtschaftsstandort Deutschland hat aber sicher kein Finanzierungsproblem – worauf lässt sich diese Entwicklung also zurückführen?

Digitalprojekte – zu komplex und zu teuer?

Häufig liegt es daran, dass Unternehmen ein Planungsproblem haben. Hinter Innovationsvorhaben stecken heute oftmals Digitalisierungsmaßnahmen – und bei diesen Vorhaben machen Unternehmen Fehler: Digitalprojekte werden viel zu groß und damit zu komplex und zu teuer zugeschnitten. Zudem gehen sie die Projekte methodisch falsch an, was Neuentwicklungen weiter verlangsamt.

„Groß“ mit „innovativ“ gleichzusetzen – diese Rechnung geht im digitalen Wandel nicht auf. Digitalprojekte haben – auch im kleinen Rahmen – immer disruptiven Charakter, denn sie verändern bestehende Prozesse, optimieren Produkte oder Services oder unterstützen neue Geschäftsmodelle. Für dieses neue Digitalgeschäft müssen Entscheider Projektplanung und -steuerung neu gestalten und mit einem Höchstmaß an Agilität und Flexibilität kontinuierlich anpassen.

Die neue Art zu planen

Viele Unternehmen setzen noch auf klassische Organisationsformen, mit denen sie jedoch nur langsam vorankommen. Sie planen Digitalprojekte wie ein F&E-Projekt nach allen Regeln der deutschen Ingenieurskunst. Der digitale Traum von einer eierlegenden Wollmilchsau platzt allerdings spätestens dann, wenn die einzigartige Schönheit der technischen Lösung im Mittelpunkt steht. Stattdessen geht es um den direkten Nutzen, der Mitarbeiter wie Kunden überzeugt.

Darum gilt es, pragmatisch vorzugehen, agil zu entwickeln, die Strategie kontinuierlich anzupassen und Startup-Methoden für sich zu adaptieren. Mit iterativer Entwicklung und der Philosophie „Learning by doing“ lässt sich die Unsicherheit auf neuem, digitalem Terrain Schritt für Schritt überwinden. Es ist zahlt sich aus, rasch fünf Prototypen in kleinen Teams zu entwickeln, später drei davon zu verfeinern und schlussendlich zwei Anwendungen erfolgreich zu machen. Ein riesiges Projekt, an dem ein großes Team arbeitet, dauert zu lange, sprengt das Budget und wird am Ende fehlschlagen – und somit sicher einen nicht erreichen: den Kunden. Der digitale Wandel bringt eine immense Dynamik mit sich, und wer zu viel Zeit in die Entwicklung eines Entwurfs steckt, riskiert, dass dieser bei der Fertigstellung bereits wieder obsolet ist. Die Folge solcher langwierigen und ressourcenintensiven Planungen ist Stillstand und letztlich die in der KfW-Studie attestierte Innovationsmüdigkeit.

Das gesamte Unternehmen ist gefragt

Zwei Aspekte sind ganz entscheidend, wenn es darum geht, digitales Geschäft aufzubauen: Der Faktor Zeit und der Faktor Mensch. Neue Methoden und Technologien müssen so eingesetzt werden, dass die Innovationsgeschwindigkeit von Digital-Teams die Organisation nicht überfordert und abhängt. Nur so kann die ganze Belegschaft Digitalmaßnahmen mittragen und zum Erfolg führen. Fachabteilungen müssen von Anfang an in die Gestaltung der konzernweiten Digitalisierungsstrategie eingebunden sein, um sicherzustellen, dass die digitale Roadmap alle fachspezifischen Anforderungen adressiert. Denn die digitale Transformation braucht nicht nur einen starken CDO, sondern den Rückhalt und die Kooperation des gesamten Unternehmens. Die Zeiten, in denen Manager eigenhändig Strategien entwerfen und die Umsetzung von oben vorgeben, sind vorbei. Diese Einschätzung teilen viele Digitalchefs, wie auf dem Digital Leader Summit des Beratungshauses Crisp deutlich wurde.

Fangen Sie einfach an

Gerade dem Mittelstand ist zu raten, einfach zu starten und stufenweise vorzugehen. Die Digitalisierung ist keine Bedrohung von außen, sondern vielmehr als Chance zu begreifen. Wer agil Ideen entwickelt und vorantreibt, dabei Startup-Qualitäten wie kurze Kommunikationswege und Entscheidungsfreude in seine Entwicklungsprozesse einbindet, kann Digitalisierungsprojekte schnell austesten und implementieren. Gerade kleinere und mittelgroße Unternehmen sollten ihre Flexibilität nutzen, um bedarfsgerechte, innovative Konzepte zu verwirklichen, und so neue Marktpotenziale zu erschließen und sich vom Wettbewerb abzuheben. Dies muss nicht teuer sein.

Digitale Transformation mit Axians

 

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